Herr Klein, Ihr Magazin Neue Narrative bezeichnen Sie als "Prototypen für den Verlag der Zukunft". Was meinen Sie damit?
Wir möchten neue Wege gehen, und zwar in zweierlei Hinsicht: Wir wollen herausfinden, wie Unternehmen, die Inhalte publizieren, künftig Geld verdienen können. Auch wenn wir mit einem Print-Magazin gestartet haben, verdienen wir inzwischen mehr Geld mit unserem Digitalprodukt 9 Spaces. Auch die Art, wie wir arbeiten und organisiert sind, ist radikal anders gedacht: Wir sind in Verantwortungseigentum, das heißt das Unternehmen gehört den Menschen, die dort arbeiten. Wir sind vollständig transparent, auch bei Finanzthemen, geben uns unsere Gehälter selbst und arbeiten soziokratisch, also in einer Rollen-Organisation. Das bedeutet, es gibt keine starre Personen-Hierarchie, sondern Verantwortung wird in Form modularer Rollen verteilt.
Welche Rolle spielen Start-ups, wenn es darum geht, Berlin als zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort zu stärken?
Berlin ist eine Gründer:innen-Stadt mit vielen Menschen, die die Welt zum besseren verändern wollen. Das zeigt sich nicht nur an den vielen impact-orientierten Unternehmen. Mir fallen da natürlich als Erstes Unternehmen in Verantwortungseigentum, wie Haferkater, Ecosia oder Vyld, ein. Auch in der Non-Profit-Welt gibt es viele inspirierende Organisationen, die große Wirkung entfalten. Um ein paar Beispiele zu nennen: Project Together, Brand New Bundestag und Join Politics. Und natürlich haben wir eine starke Zivilgesellschaft, was sich auch wieder an tollen Organisationen wie Changing Cities, Finanzwende oder dem Netzwerk Steuergerechtigkeit zeigt.
Nur leider fließt auch in Berlin das meiste Kapital in Gründungen, die überhaupt nicht dem Gemeinwohl dienen: In Fast-Fashion, Lieferservices und andere Convenience-Produkte, die eigentlich niemand braucht. Berlin hat viel Potenzial, nur das Geld fließt oft in die falsche Richtung.
Was ist Ihr Rezept für den Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft?
Wenn wir die Wirtschaft transformieren wollen, müssen wir das Finanzsystem transformieren. Das viele Geld, das wir angehäuft haben, muss dahin fließen, wo es gesellschaftliche Probleme lösen kann. Eine so reiche Gesellschaft wie unsere kann es sich nicht erlauben, weiterhin mit zerstörerischen Geschäftsmodellen Geld zu verdienen, während gleichzeitig unsere Lebensgrundlage schwindet und die Demokratie auseinanderfällt. Deshalb müssen wir darauf hinwirken, dass viel mehr Geld in Organisationen fließt, die positiv auf die Gesellschaft wirken.
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